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Der Keim eines Schulparlaments


Am Anfang war das blaue Sofa

Immer wieder macht man die Erfahrung, dass Diskussionen in den Kinderklassenräten Themen und Fragen beinhalten, welche über eine Klassengemeinschaft hinausgehen. Damit auch hier dem Mitspracherecht der Kinder keine Schranke vorgeschoben wird, stellt sich die Frage nach einem Schulparlament. An der Grundschule Gries kam diese Überlegung-wie so viele von den wirklich wertvollen-von den Kindern selbst. Im Gang des Schulhauses stand ein blaues Sofa. Die Kinder einer Reformklasse hatten dies dort platziert um eine gemütliche Ecke einzurichten. Natürlich schätzten und nutzten dieses Sofa bald auch Kinder aus Nicht-Reformklassen, die es kaum gewohnt waren, derartige Einrichtungen mitzuentscheiden und zu nutzen. Doch die Diskussion war ins Rollen gekommen. Wer darf das Sofa nutzen? Wie viele? Gibt es Vorrechte? Ein gemeinsamer Kinderklassenrat mit den zwei beteiligten Klassen wurde einberufen. Wir Lehrerinnen waren auf eine hitzige Diskussion eingestellt. Nichts dergleichen trat ein. Zivilisierte, selbstgesteuerte Für- und Wider- Gespräche, Überlegungen zu Sinnhaftigkeit von Vereinbarungen, Abstimmungen führten vorerst zu einer Rangliste für die Nutzung. Dass diese Entscheidung wohl nicht sehr praktisch war, vermuteten wir Lehrerinnen zwar, doch hielten wir uns mit unserem Bedenken zurück. In der Tat, knapp zwei Wochen später wurde kurzerhand eine Dringlichkeitssitzung einberufen. Die Rangliste wurde als kompliziert und unpraktisch erklärt. Man einigte sich, es ohne Regelung mit dem Sofa zu versuchen. Und es klappte. Das Sofa steht heute noch da.