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Von der Verschulung des Schreibens


Reformpädagogische Ausrichtung

Schreiben ist als lebenspraktisches Werkzeug geboren. Assyrische Tontafeln erzählen von Kaufverträgen, ägyptische Papyrusrollen beschreiben den Baufortschritt eines Königgrabes.

Lange Zeit blieb diese Errungenschaft den privilegierten Schichten der Völker vorbehalten.

Die Einführung der allgemeinen Bildungs- und Schulpflicht (in unseren Breiten war dies der Nikolaustag 1774 unter Maria Theresia) ebnete zwar den Weg für alle, doch wurde der Prozess des Lesen- und Schreiben Lernens durch das System Schule extrem erschwert. Gleichschrittiges Lernen in Jahrgangsklassen ohne Rücksicht auf individuelle Stärken und Schwächen und somit Leistungsdruck und –angst waren der Alltag an den meisten Schulen. Texte mussten vorgegebene Inhalte, Strukturen, Regelwerke wiedergeben, was das einzelne Kind wirklich konnte und motivierte stand nicht zur Diskussion. Der Ursinn des Schreibens als Kommunikationsmittel war abhanden gekommen. Lesen und Schreiben hatten in der Schule ausschließlich Selbstzweck und dienten einzig der Übung von Vorgegebenem.

Obwohl frei denkende Menschen bereits Ende des 19.Jahrhunderts die Bedeutung von individueller praktischer Schreiberfahrung aufzeigten, ist heute die Situation an vielen Schulen dieselbe wie zu Maria Theresias Zeiten. Wie lange noch müssen sich Kinder und Jugendliche mit „Schreibübungen“ beschäftigen, die weder ihren Entwicklungsstand berücksichtigen, noch einen freien Ausdruck ihrer Ideen und Gedanken zulassen? „Freies Schreiben“ macht nach wie vor Angst und wird missverstanden, auch unter Lehrpersonen, dennoch ist es der einzige Weg den Prozess des Lesen und Schreiben Lernens von der Verschulung zu befreien.

(Dies ist ein Auszug aus einem Kurzreferat, welches anlässlich eines unserer regelmäßigen Elternabende vorgetragen wurde.)